Tafel 5 - Atommüll

Eine Bestandsaufnahme für Deutschland

Radioaktive Abfälle in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme für Deutschland

Diese Tafel gibt einen Überblick über Standorte und Verteilung radioaktiver Abfälle in Deutschland. Die dargestellte Karte zeigt die kerntechnischen Anlagen, ehemalige Atomkraftwerksstandorte, Forschungsreaktoren und Forschungszentren, Brennelementfertigungs- und Urananreicherungsanlagen sowie Zwischenlager.

Die Übersicht verdeutlicht: Radioaktive Abfälle sind das Ergebnis jahrzehntelanger Energie- und Forschungspolitik und betreffen fast alle Bundesländer. Viele der Standorte dienen heute als Zwischenlager – also als zeitlich befristete Aufbewahrungsorte für radioaktive Materialien.

Der Atommüllreport – Wissen sichern, Debatte fördern, Interesse wecken

Erstellt wurde diese Übersicht von dem Projekt Atommüllreport www.atommuellreport.de. Seit 2013 dokumentiert der Atommüllreport alle Standorte in der Bundesrepublik Deutschland, an denen Atommüll produziert wurde oder wird und an denen er gelagert wurde oder wird. Im Oktober 2024 wurde der Bericht „Atommüll – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland“ aktualisiert. 

Der völlig überarbeitete Bericht Atommüll – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland verzeichnet über 216 Atomanlagen an 71 Standorten – darunter 84 aktuell in Betrieb befindliche sowie 56 stillgelegte oder bereits im Rückbau befindliche Anlagen. Besonders besorgniserregend: Viele dieser Standorte weisen nach jahrzehntelanger Nutzung erhebliche Sicherheitsdefizite auf.

Dazu heißt es auf der Webseite des Atommüllreports: „Rostende Atommüllfässer, Zwischenlager ohne Genehmigung, Endlager ohne Sicherheit - wir wollen wissen, wo Atommüll produziert worden ist oder produziert wird, wo er lagert, wohin er transportiert worden ist und welche Probleme es an den einzelnen Standorten gibt. Mit der Erstellung der Bestandaufnahme übernehmen wir eine Aufgabe, die die eigentlich Verantwortlichen, die Anlagenbetreiber, der Staat und die Behörden versäumt haben.“

Das Fachportal atommuellreport.de dokumentiert das Wissen über Atommüll und seine Gefahren, will die Fachdebatte fördern und die nächste Generation für die Probleme interessieren.

Die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD ist zusammen mit weiteren Verbänden und Initiativen Mitglied im Trägerkreis des Atommüllreports. Die Bestandsaufnahme und die Atommüllkarte sind im KONRAD-Haus kostenpflichtig erhältlich.

Atommüll - eine teure und gefährliche energiepolitische Hinterlassenschaft

Die auf der Karte dargestellten Standorte sind historisch gewachsen. Der Großteil der kerntechnischen Anlagen entstand zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren.

2024 endete die Stromerzeugung aus Atomkraftwerken in Deutschland. Die Brennelementfertigung in Lingen und die Urananreicherung in Gronau dürfen allerdings unbegrenzt weiter für den internationalen Markt produzieren. 

Die Atomkraftwerksbetreiber haben sich 2017 mit einer Einmalzahlung in den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) von ihrer Verantwortung für den Atommüll freigekauft. Für alle darüberhinausgehenden Kosten und Risiken der dauerhaften Lagerung der radioaktiven Abfälle haften seitdem die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. 

Zwischenlager – keine Dauerlösung

Die Genehmigungen der Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle sind auf 40 Jahre befristet. Erste Genehmigungen laufen bereits ab den 2030er-Jahren aus. Zwischenlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle haben fast alle eine unbefristete Genehmigung. Die Zwischenlager in Deutschland sind nicht für eine Langzeitlagerung konzipiert. Weder die baulichen Einrichtungen noch die Behälter sind auf eine Lagerung über so viele Jahrzehnte ausgelegt. Im Juni 2023 hat der Atommüllreport anlässlich einer Fachtagung www.atommuellreport.de/themen/detail/handlungskonzept-statt-weiteres-durchwursteln-gefordert.html

deshalb sein Forderungspapier „Handeln statt Durchwursteln“ vorgestellt www.atommuellreport.de/fileadmin/Dateien/bilder/Projekte-Termine/20230623_AMR-Erklaerung-Zwischenlagerung_end.pdf

Die Atommüll-Karte ist mehr als eine Bestandsaufnahme aktueller Standorte. Sie zeigt eine dauerhafte Verpflichtung die weit über politische Wahlperioden und Generationen hinausreicht: den sicheren Umgang mit radioaktiven Abfällen über lange Zeiträume hinweg.

Lehrpfad-Tafel 5 als .pdf-Dokument

Lehrpfad Karte mit allen Stationen