(So., 22.03.26/SW) In der jahrzehntelangen Auseinandersetzung um 152 (!) CASTOR-Transporte aus dem Forschungszentrum Jülich in die Lagerhalle Ahaus scheint es in der kommenden Woche Ernst zu werden. Alle Initiativen und Gruppen haben die „Alarmstufe Rot“ ausgelöst und rechnen ab Dienstag, 24. März, mit den ersten – vermutlich drei – Atommülltransporten.
Am vergangenen Donnerstag informierten die Betreiberin des Ahauser Atommülllagers (BGZ) und die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) im Rathaus von Ahaus über die anrollenden Transporte. Parallel verdichten sich die Hinweise, dass der erste CASTOR-Konvoi von Jülich über 170 Autobahn-Kilometer am Dienstag starten soll. So ist zum Beispiel ein großer Hotelbetrieb nahe Ahaus von Dienstag auf Mittwoch komplett ausgebucht, offenbar von der Polizei. Die Gewerkschaft der Polizei spricht inzwischen von 4500 Polizeikräften, die im Einsatz sein sollen. Es ist kaum noch verwunderlich, dass die verantwortlichen Ministerien aus Berlin und Düsseldorf nicht anwesend waren, sondern ihre Aufgaben an untergeordnete Ebenen delegieren.
Bereits seit 2009 war bekannt, dass die Genehmigung für das Jülicher Zwischenlager im Jahr 2013 auslaufen würde. Der damalige Wirtschaftsminister Duin (SPD) überbrückte das Debakel daraufhin mit zwei ‚Duldungen‘ für ein Jahr. Seit 2014 verfügt das jetzige Lager in Jülich über keine Genehmigung mehr. Immer wieder wurden von den Anti-Atom-Initiativen starke Sachargumente für ein neues, möglichst sicheres Zwischenlager in Jülich vorgebracht. Diese wurden von einigen Parteien und Ministerien ignoriert, von anderen wohlwollend bis bestätigend zur Kenntnis genommen – entscheidend gehandelt wurde aber 16 Jahre lang in keiner Regierungskonstellation in Düsseldorf oder Berlin.
Die Atommüllverursacher in Jülich haben nur den Abtransport nach Ahaus ernsthaft verfolgt, nie aber den Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich. Das Ahauser Zwischenlager verfügt über eine Genehmigung bis 2036 und ist neben Gorleben das älteste der Bundesrepublik mit der geringsten Deckenstärke von nur ca. 20cm. Ein „Endlager“ für den hochradioaktiven Atommüll ist in den nächsten Jahrzehnten nicht in Sicht. Der Abtransport aus Jülich nach Ahaus ist wieder nur eine Verschiebung des Problems, an einen anderen Ort und in die Zukunft.
Für den „Tag X“, den Tag, an dem der erste Konvoi startet, sind jeweils um 18 Uhr eine Kundgebung vor dem Forschungszentrum Jülich sowie eine Demo ab Bahnhof Ahaus in die Innenstadt geplant. Ab 20 Uhr ist eine nächtliche Atommüll-Dauermahnwache vor dem Zwischenlager in Ahaus-Ammeln angemeldet. Weitere kurzfristige Proteste entlang der Strecke sind möglich...
Engagierte Menschen aus Ahaus haben für Auswärtige, die sich den Protesten anschließen wollen, eine Bettenbörse eingerichtet. Wer für die kommenden Protesttage eine Bleibe im Münsterland sucht, kann sich melden.
Aktuelle Infos bei: www.bi-ahaus.de, www.westcastor.org, www.bund-nrw.de, www.castor-stoppen.de und www.sofa-ms.de sowie auf den jeweils angeschlossenen Social-Media-Kanälen
