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Antonias Wörterbuch

V - Verantwortungsgemeinschaft

Gemeine Zusammenkunft | Jüngst war Herr Flasbarth, Staatsekretär im Bundesumweltministerium in Salzgitter. Und er hatte viele schöne Wörter im Gepäck, um den Menschen in der Region zu erklären, warum an dem einmal gefassten Beschluss, Schacht KONRAD in ein Atommülllager ohne Rückholmöglichkeit zu verwandeln, nicht zu rütteln sei. Manche dieser Wörter waren so lang – „Verantwortungsgemeinschaft“ zum Beispiel – dass man sie gar nicht in einem Rutsch verstehen kann.

Da ist zunächst einmal der Begriff „Verantwortung“. In seiner Rolle als Staatsekretär hat Herr Flasbarth ja quasi via Amt*) ein riesiges Füllhorn übernommen, das vor Atommüll-Verantwortung überquillt. Dieses Füllhorn kann er nach Belieben – er nennt es „Verantwortungsgemeinschaft“ – über die 16 Bundesländer ausgießen. Weil er aber die ganze Müll-Verantwortung immer nur über ein Land, nämlich Niedersachsen, abwerfen möchte, kommt unsereins schon ins Grübeln, was der Staatssekretär eigentlich meint, wenn er „Gemeinschaft“ sagt? Und dazu kommen wir zum zweiten Teil des Wortes.

Im landläufigen, gesellschaftlichen Sinne bedeutet Gemeinschaft gleiche Teilhabe und Verantwortung aller. Doch das kann der Staatssekretär hier nicht gemeint haben. In Sachen Atommüll-Verantwortung steht es momentan eindeutig 15:1 gegen Niedersachsen! Daran will er festhalten. Doch was, wenn Flasbarth es gar nicht landläufig meint? Was wenn er „gemein“ sagt und den Begriff im Sinne von niederträchtig interpretiert? Die Gemeinschaft also nur eine schurkische Zusammenrottung von Atommüllproduzenten und Landespolitikern ist, die Atommüllprobleme 15:1 nach Niedersachsen abschieben will?

Ungeklärt bleibt nicht nur, wen Herr Flasbarth meint, wenn er von Gemeinschaft spricht, sondern auch, welche Art Verantwortung er in seiner Rolle als Staatsminister denn nun selber verkörpert: Die des Füllhornträgers einer Ministerin, des Erfüllungsgehilfen einer Abschiebegemeinschaft für Atommüll, oder ist er nur ein einfacher Wörtererfinder?

*)Anm.: Verantwortungsträgerin ist ja eigentlich die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, sodass Flasbarth das Füllhorn gewissenmaßen nur in Vertretung trägt.

Antonia Uthe