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Polen reicht Bauplan für AKW an der Ostsee ein

(Fr., 03.04.26/SW) Das polnische Staatsunternehmen Polskie Elektrownie Jądrowe (PJE) hat am 31.03.2026 bei der zuständigen Atomenergiebehörde den Antrag für den Bau des ersten Kernkraftwerks in Polen eingereicht. Das AKW Lubiatowo-Kopalino soll in der Gemeinde Choczewo am nördlichsten Punkt Polens realisiert werden und aus drei Blöcken mit einer installierten Gesamtleistung von 3.750 MW bestehen. Auftragnehmer für das Projekt ist ein US-Konsortium aus Westinghouse und Bechtel. Die Erteilung der Genehmigung für den Baubeginn wird für etwa Mitte des Jahres erwartet. Der Baubeginn ist für 2028 geplant, wobei die Fertigstellung jedes Reaktors etwa sieben Jahre in Anspruch nehmen wird. Anschließend ist ein Zeitraum von einem Jahr für Tests und Inbetriebnahme vorgesehen, womit der kommerzielle Betrieb zwischen 2036 und 2038 erwartet wird. Am 24. März fand in Słajszewo eine Informationsveranstaltung zu den Vorbereitungen für den Bau des Kraftwerks statt. Gemäß einem Zeitplan sollten bis Ende Mai die Arbeiten im Rahmen der ersten Phase der Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen sein, das Baugelände wird von Unkraut befreit und eingezäunt.

Der Verein „Bałtyckie S.O.S.” kritisiert den Betreiber PEJ erneut für „Unwahrheiten und Arroganz“. Die angekündigte Umzäunung und Abholzung des Waldes sei bereits erfolgt, die Staatsforsten haben unmittelbar nach Unterzeichnung des Vertrags mit PEJ heimlich 35 Hektar Wald abgeholzt. Aus Angst vor den Anwohnenden hatten sie dazu bewaffnete Sicherheitskräfte engagiert.

Ebenso hat PEJ sein Versprechen, die Straße zum Meer offen zu lassen, nicht eingehalten und den Weg zum Strand abgesperrt. Der Tourismus an der Ostseeküste, der für die meisten dort Lebenden die wichtigste Einnahmequelle darstellt, leide schon jetzt und werde durch die enormen Bauvorhaben zusammenbrechen. Der Verein „Bałtyckie S.O.S.” hat als Partei im Verfahren vor der Generaldirektion für Umweltschutz (GDOŚ) einen Antrag auf erneute Prüfung des Umweltberichts gestellt. Der Umweltbericht sei nach Ansicht vieler Experten sowie des Marschallamtes der Woiwodschaft Pommern voller Fehler und Ungenauigkeiten. Die GDOŚ wird aufgefordert, die Entscheidung bezüglich des Baus eines Atomkraftwerks in unberührten Küstengebieten, die an Natura-2000-Gebiete angrenzen und Dünen, Sümpfe, Überschwemmungsgebiete und Moore umfassen, erneut zu prüfen. Auch andere Umweltorganisationen haben Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt haben, die quasi im Handumdrehen unterzeichnet wurde, nach sehr verkürzten „öffentlichen Konsultationen“.