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Fukushima-Erinnerungen

Elkes Gedanken zu Fukushima

Meine Gedanken zur zweiten Reaktorkatastrophe meines Lebens:

Obwohl ich das Datum als Atomkraftgegnerin fest im Kopf habe, scheint die Katastrophe von Fukushima 2011 weniger Spuren hinterlassen zu haben als der Schrecken nach der von Tschernobyl 1986. Über diese Lücke musste ich erst einmal nachdenken. 1986 gab es besorgte Vollversammlungen unserer Studentenschaft, Elterninitiativen stellten Schutzpläne für ihre Kindergärten auf, Menschen stellten ihre Ernährung auf die Gefahr kontaminierter Lebensmittel ein. Tschernobyl hatte direkten Einfluß auf unseren Alltag.

Im nach hinein scheint mir die Katastrophe von Fukushima, trotz Erschütterungen und sogenanntem "Atomausstieg", nicht nur deshalb viel scheller aus den Augen aus dem Sinn, weil Japan aus unserer Sicht am Ende der Welt liegt. Die damalige Sowjetunion war einerseits nicht nur geographisch näher, sondern durch eisernen Vorhang und kalten Krieg auch erklärtes reich des Bösen und damit viel bedrohlicher.

So schockierend die Katastrophe von Fukushima auch für die Selbstverständnisse Einfluß reicher Industrienationen war, die Propaganda einer Beschwichtigung und Vertuschung fiel an beiden Enden der Welt schneller auf fruchtbaren Boden. In Deutschland hat vielleicht gerade der sogenannte Atomausstieg zu einer vorschnellen Beruhigung beigetragen. Erstens konnten sich auch kritische Menschen auf die Schulter klopfen - ein Etappensieg nach jahrzehntelangem Widerstand.

Zweitens konnte aber auch leichter aus dem Fokus verschwinden, dass das Erbe der militärischen und zivilen Nutzung von Atomkraft der Menschheit auch weiterhin brennende, ungelöste Fragen mit auf den Weg gibt.

Elke Schrage

IPPNW Braunschweig