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15 Jahre Fukushima

... nun sind es schon 15 Jahre

(Mi., 11.03.2016/MN) Seit eineinhalb Jahrzehnten prägt die Nuklearkatastrophe von Fukushima das Leben vieler Menschen in Japan. Noch immer ist die Region radioaktiv belastet, und die Auswirkungen für die Betroffenen sind erheblich. 15 Jahre Fukushima – 40 Jahre Tschernobyl | .ausgestrahlt.de

Wir erinnern uns noch genau an unser Entsetzen, als wir die Bilder im Fernsehen aus Fukushima nach dem 11. März 2011 sahen. Die Folgen eines Erdbebens und Tsunami im Pazifik. Die Flutwelle mit bis 40 Meter hohen Wellen trifft auf die japanische Ostküste und damit auch auf das Atomkraftwerk Fukushima. Wir sahen alle mit Sorge und Angst den dann folgenden Super-GAU. Es ist die schwerste nukleare Katastrophe seit Tschernobyl 1986. Vier Tage nach dem Reaktorunglück verkündet die damalige Bundesregierung,  dass die sieben vor 1980 gebauten AKW für mindestens drei Monate abgeschaltet werden. Die Begründung von Angela Merkel lautete, "die Atomenergie übertrifft die Risiken aller anderen Energieträger bei weitem“, so die  damalige Bundeskanzlerin. "Die Ereignisse in Japan lehrten uns, dass Risiken, die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind". Nach Fukushima: Merkel läutet Atomausstieg ein | 14.3.2011 - SWR Kultur

Und nun 15 Jahre nach dieser Katastrophe beginnt am 10.März 2026, also einen Tag vor dem 11.März, dem Tag wo sich die Reaktorkatstrophe von Fukushima zum 15. Mal jährt - welch eine Ironie - in der Nähe von Paris der 2. Nuclear Energy Summit, zu dem die französiche Regierung und Präsident Macron Staats- und Regierungschefs, Leiter internationaler Organisationen, Finanzinstitute, Vertreter der Industrie und Experten eingeladen haben. Vermutlich lauter Gleichgesinnte und Befürworter der Atomenergie? Die erste Veranstaltung fand 2024 in Brüssel statt.

Dort spricht dann Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin, zur Eröffnung davon, dass die Abkehr von der Atomkraft in Europa "ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren". Investiert werden sollen seitens der EU mit 200 Millionen aus dem Emissionshandel in die Entwicklung kleiner, modularer Atomreaktoren (small modular reactors - SMR).

Dagegen setzte Greenpeace Frankreich bei der Konferenz ein deutliches Zeichen. Zwei Aktivisten verschafften sich Zutritt auf die Bühne, um mit zwei Transparenten deutlich zu machen, dass Atomenergie unsicher ist und dass "Atomenergie den russischen Angriffskrieg in der Ukraine befeuert https://www.reuters.com/world/greenpeace-activists-storm-stage-frances-nuclear-summit-confront-macron-2026-03-10
"Ein weiteres Mal wird der rote Teppich ausgerollt, um die Kernenergieindustrie zu fördern, entgegen den aktuellen Herausforderungen und zum Nachteil der Umsetzung eines großen Plans zur Sparsamkeit, der energetischen Renovierung von Gebäuden und der Entwicklung erneuerbarer Energien", so kommentiert Greenpeace Frankreich den Gipfel.
Perturbation du Sommet mondial sur l’énergie nucléaire - Greenpeace France

Eine Einordnung und Bewertung dieser beabsichtigten Renaissance gibt Sascha Samadi, Senior Researcher beim Wuppertal Institut für Klima Umwelt Energie (Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme) in der Sendung Wirtschaft und Gesellschaft
Auszüge: "Die Entwicklung der Small Nuclear Reactors steckt noch in den Kinderschuhen. Sie bringt uns nicht günstiger und schneller klimafreundlichen Strom. Die Bauzeiten sind lang, die Kosten doch höher als angenommen, auch diese kleinen Reaktoren müssen geschützt werden." Nach seiner Einschätzung sind Investitionen besser aufgehoben in der Entwicklung erneuerbarer Energien und Speichertechnologien sowie in Verbesserungen bei der Energieeffizienz. Gebraucht werden flexible Energieerzeugungsoptionen wie sie die erneuerbaren Energien bieten.

Auch die kleineren Reaktoren produzieren Atommüll und die Frage der Endlagerung ist - wie uns allen bekannt - nicht gelöst, noch nicht einmal für den Atommüll, der schon durch die Hochrisikotechnologie Atomenergie bisher produziert wurde. Auch Vertreter von Energiekonzernen sehen die SMR wohl eher als ein Investitionsgrab und nicht als eine richtungsweisende Entwicklung für die zukünftige Energieerzeugung.

Wie gefährlich der Energieerzeugung mit Atomenergie ist, daran erinnert uns am 11. März die Reaktorkatastrophe in Fukushima. Wir arbeiten weiter für eine Zukunft ohne Atomenergie, die nachhaltig und sicher ist.

Dazu erklärt die Atommüllkonferenz vom 7. Februar:

Anlässlich der Jahrestage der Katastrophen 15 Jahre Fukushima und 40 Jahre Tschernobyl kritisiert die Atommüllkonferenz den zunehmend atomfreundlichen Kurs der Bundespolitik. Atomkraft ist und bleibt eine Hochrisikotechnologie, sie ist die teuerste Art der Energieversorgung und kann keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl mahnen: jedes Atomkraftwerk stellt eine Gefährdung für Leben und Gesundheit dar. Große Gebiete um die havarierten Reaktoren sind bis heute unbewohnbar: unzählige Menschen mussten umsiedeln. Die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit wie etwa Leukämie bei Kindern, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen bei Einsatzkräften sind umfassend dokumentiert.

Die Atommüllkonferenz fordert den sofortigen Atomausstieg weltweit, bevor die nächste nukleare Katastrophe passiert. Um uns als Bevölkerung zu schützen, muss die Bundesregierung sich für eine sichere Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen einsetzen und eine klare Anti-Atom-Haltung auf der europäischen und weltweiten Bühne zeigen.

Für Rückfragen:
Dr. Hauke Doerk, Referent für Energiepolitik des Umweltinstituts München: 01520 2319803

Bettina Ackermann, .ausgestrahlt:  0176 21951519A