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Scharfe Kritik an bevorstehender Revision in Grohnde

(Di., 29.09.15/KS) Auf ihrem Protestmarsch unter dem Motto „Die machen den Reaktor auf…! Bloß hier weg!“ machten Atomkraftgegner auf die Gesundheitsgefahren der für den 6. bis 20. Oktober angekündigten Revision im AKW Grohnde aufmerksam. Eingehüllt in einen 60 Meter langen Widerstandswurm zogen etwa 60 Personen vom Kraftwerk über Emmerthal nach Hameln. Auf der Zwischenkundgebung vor dem Hamelner Bahnhof sagte Karsten Schmeißner vom „Rechtshilfefonds Atomerbe Grohnde e.V.“: „Die zweite Revision innerhalb eines Jahres bedeutet, dass wieder enorme Mengen radioaktiven Materials freigesetzt werden. Daraus resultiert erneut eine hohe gesundheitliche Belastung für die Anwohner. 

Das ist nicht zumutbar. Deshalb fordern wir statt der Öffnung des Reaktors die Schließung der Anlage! Weiter stellte er die Gefahrensituation des Kraftwerks dar und die darauf basierenden Protestveranstaltungen. „Seit Jahren stellen wir auf unseren Aktionen konkrete Forderungen an die Niedersächsische Atomaufsicht, aber nennenswerte Maßnahmen zum Abbau der bekannten Schwachstellen des AKW wurden vom Umweltministerium bisher nicht angeordnet. Deshalb beschlossen besorgte Menschen aus dieser Region, eine Klage zu realisieren – die Klageschrift wird in Kürze dem OVG Lüneburg vorliegen“.

Dr. Angelika Claußen, Mitglied der Internationalen Vereinigung atomkritischer Ärzte IPPNW, machte deutlich, dass das Risiko einer Strahlenkrankheit für Kinder besonders hoch ist. „Je geringer das Alter eines Kindes, desto höher das Risiko, beispielsweise an Leukämie zu erkranken. Besonders gefährdet ist der Embryo, er „merkt“ sich jede einzelne Strahlenspitze.“ Weiter erklärte sie, dass gerade die so genannte Niedrigstrahlung völlig unterschätzt wird. Experten sind sich einig, dass sie unter anderem die Ursache für genetische Schäden sein kann. „Wir müssen alles dafür tun, jede Art von Freisetzung zu vermeiden“, so ihre Forderung.

Auf der Abschlusskundgebung vor dem Hochzeitshaus in Hameln erklärte Hans-Peter Leiding aus Grohnde, warum er sich für eine Klage gegen die Betriebsgenehmigung des benachbarten AKW entschieden hat. „Stellen Sie sich vor, jemand lenkt eines dieser modernen Großflugzeuge, die es während der Planungsphase unserer AKWs ja noch nicht gab, direkt auf unsere Anlage. Das ist doch aus heutiger Sicht nicht mehr auszuschließen. Welche Folgen das hat, kann sich jeder denken…Ich will, dass das AKW so schnell wie möglich stillgelegt wird. Deshalb klage ich als betroffener Anwohner.“ Weiter betonte er, dass die Klage nur durch die Unterstützung des Rechtshilfefonds möglich ist, dessen Fundament die Vereinsmitglieder und die Spendengelder sind.