Sonntag, 19. November 2017
Chronik KONRAD

- Stand 15.11.2016 -

2016

  • 19.10.2016: Das Kabinett beschließt das "Entsorgungsübergangsgesetz". Das Gesetz sieht die Möglichkeit zur Errichtung eines Eingangslagers Konrad vor. Damit gibt die Bundesregierung zu, dass das im Planfeststellungsbeschluss festgelegte Just-in-time-Konzept für die Abfallanlieferung nicht funktioniert. Deshalb soll das Gesetz den Planfeststellungsbeschluss überregeln.
  • 29.06.2016: Es wird bekannt, dass sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) über Jahrzehnte von einer Industriestiftung finanzieren ließ. Die Hans-Joachim-Martini-Stiftung hat "verdiente Mitarbeiter" der BGR für genehme Gutachtenergebnisse prämiert. Die BGR hat auch die grundlegenden geologischen Gutachten für die Eignung der Schachtanlage KONRAD erstellt.
  • 28.04.16: Nachdem das Bundesamt für Strahlenschutz die Stadt Salzgitter daran hinderte, eine Stellungnahme vorzulesen, verlässt das Bündnis Salzgitter gegen Konrad den BfS-Workshop zur "Überprüfung des Standes von Wissenschaft und Technik für das Endlager Konrad (ÜsiKo) unter Protest
  • 24.04.2016: "Widersetzt Euch an die Frühstückstische" Unter diesem Motto findet zum 30. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl eine Frühstücksmeile auf der Industriestraße vor Schacht KONRAD statt. Über 1000 Menschen beteiligen sich an dem Protest bei eisigen Temperaturen.
  • 29.02.2016: Anhörung vor dem Umweltausschuss des niederächsischen Landtags zu Schacht KONRAD mit VertreterInnen der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD, dem Landvolk Braunschweiger Land, der Stadt Salzgitter, der IG Metall Salzgitter-Peine und dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). „Wir würden heute als Betreiber sicher nicht so ein Bergwerk nehmen“, stellte Wolfram König, Präsident des BfS fest.
  • 19.01.2016: Bundesumweltministerin Hendricks diskutiert mit den Spitzenbeamten der Kommunen in der Region und VertreterInnen des Bündnis Salzgitter gegen KONRAD in der Kulturscheune in Salzgitter-Lebenstedt. Der Ministerin wird der "Appell der Region" überreicht, der von fast allen Kommunalparlamenten in der Region verabschiedet worden ist. 1000 Menschen begleiten die Veranstaltung mit ihrem Protest.

2015

  • 11.09.2015: Start der ersten "Mobilen Atomausicht" einem regelmäßigen Spaziergang jeden 2. Freitag eines Monats zu Schacht KONRAD
  • 12.08.2015: In der endgütligen Fassung des Nationalen Entsorgungsprogramms ist die Erweiterung von Schacht KONRAD aus dem Text gestrichen. Die Debatte um die Lagerung der zusätzlichen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle wird an die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle delegiert, die diese Aufgabe jedoch weder bewältigen will noch in der verbleibenden Zeit bis Sommer 2016 bewältigen kann.
  • 21.07.2015: Zu Kartellabsprachen gesellt sich Korruption. Zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilte das Essener Landegricht einen Bauingenieur, der für Auftragsvergaben auf Schacht KONRAD mehr als 600.000 Euro kassiert hat.

  • 28.05.2015: Berlin: Übergabe von 68.139 Einwendungen an den Staatssekretär Flasbarth. Vorausgegangen war eine aufwändige Kommunikation bis das BMUB bereit war, die Einwendungen persönlich in Empfang zu nehmen.

  • 18.04.2015: Startschuss zu einer beispiellosen Einwendungskampagne unter dem Motto "KONRAD stoppen statt erweitern!". Mit 24 Großplakaten, Anschreiben sämtlicher örtlicher und regionaler Akteure sowie Sammelaktionen in der ganzen Region ruft das Bündnis zu Einwendungen auf. Die Beteiligung der Bevölkerung ist überwältigend.

  • 01.04.2015: Mitten in den Osterferien und ohne Vorankündigung startet das Bundesumweltministerium die Öffentlichkeitsbeteiligung zum sog. Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro). Wer sich informieren will muss lange auf der Seite des Bundesumweltminsiteriums suchen, um überhaupt von der Beteiligung und den dazugehörigen Unterlagen zu erfahren.

  • 26.03.2015: Etwa 1000 Menschen kommen zu einer Diskussionsveranstaltung mit Jochen Flasbarth (Staatssekretär im Bundesumweltministerium), Stefan Wenzel, (Niedersächsischer Umweltminister), Wolfram König (Präsident Bundesamt für Strahlenschutz), Frank Klingebiel (Oberbürgermeister Stadt Salzgitter), Wolgang Räschke (1. Bevollmächtigter IG Metall Salzgitter-Peine), Ulrich Löhr (Vorsitzender Landvolk Braunschweiger Land) und Ursula Schönberger (Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD). Die von Armin Maus und Dr. Michael Ahlers (Braunschweiger Zeitung) moderierte Veranstaltung muss in die Vorhalle übertragen werden, da die Plätze in der Aula Fredenberg nicht ausreichen.

2014

  • 06.12.2014: Unter dem Motto "KONRAD stoppen statt erweitern!" demonstrieren spontan über 400 Menschen gegen die Pläne der Bundesregierung.

  • 27.11.2014: In einer einstimmig verabschiedeten Resolution sprechen sich der Rat der Stadt Salzgitter und der Oberbürgermeister gegen die Einlagerung von Atommüll in Schacht KONRAD aus.

  • 20.11.2014: In zwei offenen Briefen fordert das Bündnis aus IG Metall Salzgitter-Peine, Landvolk Braunschweiger Land, Stadt Salzgitter und Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD zum einen die Bundesumweltministerin auf, persönlich in der Region zu ihren Plänen Stellung zu beziehen und zum anderen den Landesumweltminister auf, vor diesem Hintergrund eine Neubewertung des Projektes KONRAD vorzunehmen.
     
  • 18.11.2014: Durch die Presse wird bekannt, dass die Bundesregierung in ihrem sog. Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro) plant, nach Inbetriebnahme von Schacht KONRAD zu prüfen, dort deutlich mehr und ganz anderen Müll einzulagern. Diese Ankündigung stößt auf breite Ablehnung quer durch alle Institutionen und politischen Lager.

  • 18.10.2014: Die Kanaldörfer gegen KONRAD weihen einen Atommüll-Lehrpfad ein. Auf 12 Tafeln in Bleckenstedt und zum Schacht KONRAD hoch werden verschiedene Probleme der Atommüllpolitik und von Schacht KONRAD dargestellt.

  • 06.10.2014: Für drei Wochen ist im Rathaus in Salzgitter-Lebenstedt die Ausstellung "Tatort Schacht KONRAD" zu sehen.

  • 09.09.2014: Die Energieversorger legen Widerspruch gegen die Endlagervorausleistungs-Bescheide ein. Sie erklären, dass sie für 2013 und 2014 ihren Kostenanteil an Gorleben und Schacht KONRAD nicht übernehmen wollen. Eine Begründung liefern sie nicht mit.

  • 29.08.2014: Das Kartellamt verhängt gegen die Schachtbaufirmen ein Bußgeld von 17,4 Mio. €.

  • 31.07.2014: Der FC Germania Bleckenstedt gibt 100.000.- €, die ihm der KONRAD-Fonds bewilligt hat, zurück. Der Friede im Verein und im Dorf ist dem Vorstand wichtiger als das Geld.

  • 06.05.2014: Der Projektleiter KONRAD des Bundesamtes für Strahlenschutz, Herr Dr. Hundt, erklärt im Umweltausschuss der Stadt Salzgitter, dass es beim Bauen im Bestand eben immer mal Überraschungen gäbe. So sei zu erklären, dass sie inzwischen frühestens 2022 von einer Inbetriebnahme ausgehen würden. Eine Entlassung oder stärkere Kontrolle der Schachtbaufirmen, die ihre Bereitschaft zum illegalen Handeln unter Beweis gestellt hatten, hält er nicht für notwendig.

  • 31.03.2014: In einem offenen Brief fordern die IG Metall Salzgitter, das Landvolk Salzgitter, der Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter sowie die Ratsfraktionen von SPD und Grünen und die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. eine Neubewertung des Projektes KONRAD. Die Bundesumweltministerin, der Bundeswirtschaftsminister, die Ministerpräsidenten und die zuständigen Landesminister werden aufgefordert, in die aktuelle Atommülldiskussion "alle Arten radioaktiver Stoffe in die Betrachtung einzubeziehen und den Standort KONRAD nicht weiter als gesetzt anzusehen".

2013

  • 20.12.2013:Die Süddeutsche Zeitung deckt auf, dass das Kartellamt gegen die Bergbaufirmen auf KONRAD ermittelt, da sie illegale Preisabsprachen getroffen hätten.

  • 13.12.2013: In einer Antwort auf eine mündliche Frage der Opposition im niedersächsischen Landtag fordert Umweltminister Stefan Wenzel eine Neubewertung der Konzeptions- und Einlagerungssituation in Schacht KONRAD. Er verweist dabei auf die Diskussion zum Standortauswahlgesetz. Dort spielen u.a. Bergbarkeit bzw. Rückholbarkeit der Abfälle eine Rolle. Außerdem erwartet Wenzel vom Bundesamt für Strahlenschutz, deutlich zu machen, welche Maßnahmen ergriffen werden, um den Stand von Wissenschaft und Technik sicher zu stellen.

  • 16.05.2013: Das Bundesumweltministerium bestätigt offiziell, dass sich die Inbetriebnahme von Schacht KONRAD mindestens bis 2021 verzögern wird. Grund dafür ist ein erheblicher Sanierungsbedarf bei den Schächten und der Hauptstrecke unter Tage.
  • 17.04.2013: Der Rat und der Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter fordern einstimmig vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) eine Neubewertung der Risiken durch die Atommülltransporte zu Schacht KONRAD. Das BMU soll eine neue Studie mit der Methode des „Maximal Credible Accident (MCA)“ (maximal plausibler Unfall) in Auftrag geben, bei der die  Ausschöpfung der maximal zulässigen Werte für Radioaktivitätsinventar und Ortsdosisleistung der Abfallgebinde zugrundegelegt wird.

  • 13.02.2013: In ihrem Koalitionsvertrag legt sich die neue rot-grüne Landesregierung auf eine Neubewertung der Konzeptions- und Einlagerungssituation von Schacht Konrad unter Berücksichtigung der Erfahrungen mit der Asse fest. Sie bemängelt das „Nichtauswahlverfahren“ bei Schacht Konrad."Für die rot-grüne Koalition steht daher fest, dass gravierende Fehler insbesondere bei der wissenschaftlichen Analyse, den defizitären Sicherheitskriterien und der mangelnden Bürgerbeteiligung tiefgreifende und langfristige schädigende Auswirkungen haben können."

2012

  • 18.07.2012: Eine von der Stadt Salzgitter in Auftrag gegebene Begutachtung der Transportstudie KONRAD stellt erhebliche Mängel fest: Es werden weder realistische radiologische Bedingungen, noch der schlimmste anzunehmende Fall berücksichtigt - nur Mittelwerte. 

  • 11.03.2012: 25.000 Menschen bilden eine Lichterkette von Eckert&Ziegler im Norden Braunschweigs über die ASSE II zu Schacht KONRAD und wieder zurück nach Braunschweig. Am Jahrestag des Beginns der Katastrophe von Fukushima gedenken sie der Opfer der Atomenergie und fordern, endlich den verantwortungslosen Umgang mit ASSE II, Morsleben, Gorleben, Schacht KONRAD und bei Eckert & Ziegler zu beenden.

  • Januar 2012: Das Bundesamt für Strahlenschutz startet auf Druck der Landwirte die Umgebungsüberwachung bei Schacht KONRAD. Den Zuschlag für diese Untersuchungen erhielt die IAF-Radioökologie GmbH mit Sitz in Radeberg, die Probenahmen werden durch die FUGRO Consult GmbH in Braunschweig vorgenommen. Bemessen werden sollen in den 195 zusätzlichen Proben die Gehalte von Tritium, Cäsium 134, Cäsium 137, Strontium 90 und Jod 131 in Gräsern, Feldfrüchten, Waldmeister, Wasser, Milch und im Boden.

2011

  • 14.12.2011: Der Rat der Stadt Salzgitter spricht sich fast einstimmig für die Aufgabe des Konzepts nicht-rückholbarer Atommüllendlagerung zugunsten einer reversiblen Entsorgung aus. Der Antrag auf ein Moratorium des Projektes KONRDA wird mehrheitlich angenommen.

  • 11.11.2011: Mit Büttenrede und Possenspiel fordern Bürgerinnen und Bürger vor Schacht KONRAD "der Narretei, in KONRAD Atommüll einlagern zu wollen, Einhalt zu gebieten."

  • 27.05.2011: Bundesumweltminister Röttgen, der niedersächsische Ministerpräsident McAllister und der Salzgitteraner Oberbürgermeister Klingebiel unterzeichen eine Vereinbarung für die Errichtung eines KONRAD-Fonds. 100 Mio. Euro in 33 Jahren sollen nach Salzgitter fließen, drei Viertel davon von den Energieversorgern bezahlt. Die Energieversorger hatten 2008 als Gegenleistung für ihre Zahlungen gefordert: "...müssen die endgültigen Endlagerungsbedingungen einschließlich der erforderlichen Produktkontrollen (radiologisch und chemisch) feststehen und dürfen die Einlagerung der für KONRAD vorgesehen Abfallmengen nicht unangemessen beschränken."

  • 25.04.2011: Mit rund 11.000 Menschen findet die seit Jahrzehnten größte Protestveranstaltung gegen Schacht KONRAD und die Atomenergie auf der Industriestraße Nord statt. Unter dem Motto "eine Region macht sich auf den Weg" hatten zuvor an vielen Orten in der Region Asse II - Morsleben - Schacht KONRAD kleinere Auftaktveranstaltungen stattgefunden. Eigentlich als Protestveranstaltung am Vorabend des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl geplant, hatte die Großkundgebung mit der Katatstrophe von Fukushima eine neue, traurige Aktualität erhalten.

  • 23.03.2011: Der Rat der Stadt Salzgitter beschließt 10.000.- € für die Begutachtung der GRS-Transportstudie zu Schacht KONRAD in den Haushalt einzustellen.

  • 14.03.2011: Etwa 300 Menschen beteiligen sich an der spontan einberufenen Mahnwache am Schacht KONRAD anläßlich der Katastrophe von Fukushima.

2010

  • 05.11.2010: Ein Treck startet von Schacht KONRAD nach Gorleben um gegen den anstehenden Castor-Transport und für den sofortigen Atomausstieg zu demonstrieren.

  • 30.10.2010: Etwa 120 Menschen, vor allem jüngere, geisterten in der Halloween-Nacht um Schacht KONRAD. Auf Pappgeister hatten sie ihre Protestsprüche geschrieben (z.B. Konrad is' Arsch) und diese in den Boden gesteckt. Und weil es auch Reformationstag war, wurden  10 Thesen an den Zaun angeschlagen.

  • 23.09.2010: Die Süddeutsche Zeitung meldet, dass sich die Inbetriebnahme von Schacht KONRAD bis in das Jahr 2019 verzögern kann.

  • 27.01.2010: Der Rat der Stadt Salzgitter wendet sich in einer Resolution einstimmig gegen die Einlagerung von Asse-Müll in Schacht KONRAD und stellt fest, dass er aus Sicherheitserwägungen und strukturpolitischen Gründen ein atomares Endlager Schacht Konrad nach wie vor ablehnt.

2009

  • 10.11.2009: Das Bundesverfassungsgericht entscheidet nach zweieinhalb Jahre, die Klage von Walter Traube gar nicht erst zur Entscheidung anzunehmen. Nach Bekanntwerden der Entscheidung am 26.11. versammeln sich spontan mehr als 100 Menschen und an die 30 Traktoren am Schacht um gegen diese Ignoranz zu demonstrieren.

  • 31.8. - 2.9.2009: Der Anti-Atom-Treck ist in Salzgitter. Etwa 80 Traktoren und andere Fahrzeuge sowie ca. 150 Menschen campieren auf dem Acker des Landwirts Ludwig Wasmus. Sie sind auf dem Weg zur Anti-Atom-Demo am 5.9. in Berlin. Vor dem Werkstor von VW Salzgitter treffen sie sich mit den Betriebsleuten und Vertrauensleuten des Motorenwerkes zu einer gemeinsmen Protestkundgebung. Auf der Weiterfahrt nach Wolfenbüttel wird das Tor 6 der Stahlwerke Salzgitter für etwa 2 Stunden blockiert. Die geplante Einlagerung des Atommülls soll über das Gelände der Salzgitter AG laufen.

  • 26.02.2009: Unter dem Motto "Wir bringen Licht ins Dunkel" bilden mehr als 15.000 Menschen trotz Eiseskälte, Wind und leichtem Regen eine 52km lange Lichterkette von Braunschweig über die ASSE II zum Schacht KONRAD.

  • 22.02.2009: Das Bündnis Salzgitter gegen KONRAD beteiligt sich zum ersten Mal mit einem Themenwagen am Karnvealsumzug in Braunschweig. Motto des Wagens: "Atomdschungel Braunschweiger Land". Der Wagen zeigt die berüchtigte Schlange Kaa(briel), die aus dem Atomsumpf der Asse kommt, sich um Schacht Konrad schlingt und dabei säuselt "Vertraut mir!". Als Kamelle gab es Bonbons umwickelt mit der Anti-Atom-Sonne und dem Spruch "Atomkraft Nein Danke".

2008

  • Unter dem Motto "Stell Dir vor, Tausende würden jeden Tag gegen die Einlagerung von Atommüll in Schacht KONRAD demonstrieren" werden immer mehr "gelbe Fässer" und andere Widerstandssymbole in der Region sichtbar.

  • Am 21.2.2008 weist das Bundesverfassungsgericht die Klage der Stadt Salzgitter ab. In seiner Entscheidung stellte das Verfassungsgericht fest: "Die Verfassungsbeschwerde hat keine grundsätzlich verfassungsrechtliche Bedeutung". Die Stadt Salzgitter ist im Hinblick auf die Einhaltung der Grundrechte nicht beschwerdefähig. Zudem sei das OVG alleine entscheidungsbefugt. 

2007

  • Es finden eine Vielzahl von Aktionen statt wie die Sternfahrt unter dem Motoot "Traut Euch!" am 7.7.7 und die Bootsaktion beim Brückengottesdienst am 15.7. Der Landwirt Ludwig Wasmus sät ein riesiges X aus Senf auf seinen Acker, am Tag des Abmähens wurde das X durch ein X aus Menschen ersetzt. Höhepunkt war der Aktionstag am 13.10. in Salzgitter-Lebensted, an dem 5000 Menschen zu Demonstration und Konzert kamen.

  • Das BMU beauftragt das Bundesamt für Strahlenschutz am 30.05.2007, die Einrichtung von Konrad als Endlager zu beginnen. Nach einer etwa zweijährigen Vorbereitungsphase wird der eigentliche Umbau des Schachtes Konrad zu einem Endlager dann etwa vier Jahre in Anspruch nehmen. Das BfS rechnet mit einem Einlagerungsbeginn im Jahr 2013.

  • Am 3. April 2007 beschließt das Bundesverwaltungsgericht, die Nichtzulassungsbeschwerde der Kläger zurückzuweisen. Diese Entscheidung ruft spontane Proteste in Salzgitter hervor. Dies Stadt Salzgitter entscheidet fraktionsübergreifend mit großer Mehrheit, Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zu erheben. Die Landwirtsfamilie Traube geht ebenfalls vor das BVerfG.
  • Am 1. April 2007 begeht der Konrad-Gottesdienst sein 20-jähriges Jubiläum. Seit 20 Jahren treffen sich zweimal im Jahr Konrad-GegenerInnen am Stein vor dem Hof der Familie Traube um zusammen mit Pastoren verschiedener Gemeinden neue Kraft für die Auseinandersetzung zu gewinnen.

2006

  • Am 8. März 2006, nach 3tägiger mündlicher Verhandlung, weist das OVG Lüneburg die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss Konrad ab. Die Klagen der Kommunen Salzgitter, Vechelde und Lengede erklärte der Senat gleich für unzulässig. Der Bleckenstedter Landwirt Walter Traube dürfe zwar das Gericht anrufen, so die Richter. Die Klage wurde aber als unbegründet abgewiesen. Das Gericht stellt fest, dass der Planfeststellungsbeschluss eigentlich kein Planfeststellungsbeschluss, sondern eine „gebundene Genehmigung“ sei. Somit haben Kommunen und Privatleute beim Bau einer Umgehungsstraße mehr Einspruchsrechte als beim Bau eines Atommüllendlagers. Weiter stellt das Gericht fest, dass es kein Recht auf „Nachweltschutz“ gebe, Walter Traube also keine Schutzrechte für künftige Generationen auf seinem Hof einklagen könne. In allen vier Fällen hat das Gericht die Revision nicht zugelassen. Dagegen legen die Kläger Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht ein.

2002 Planfeststellungsbeschluss

  • Am 3. Juni 2002 wird der Planfeststellungsbeschluss durch das niedersächsische Umweltministerium erteilt. Die Stadt Salzgitter, die Gemeinden Vechelde und Lengede, sowie die Landwirtsfamilie Traube klagen gegen die Genehmigung vor dem OVG Lüneburg.

2000

  • Am 31. Mai 2000 legen erstmals in der Auseinandersetzung um Atomenergie ArbeitnehmerInnen die Arbeit nieder und demonstrieren während der Arbeitszeit gegen eine geplante Atomanlage. Rund 4.800 Beschäftigte folgten damit unter dem Motto: "Handeln, bevor es zu spät ist", einem Aufruf der IG Metall-Salzgitter.
  • Am 14. Juni 2000 unterzeichnen Bundesregierung und Energiewirtschaft einen Atomkonsens.  Zu Schacht KONRAD wird festgeschrieben: „Die zuständigen Behörden schließen das Planfeststellungsverfahren für den Schacht Konrad nach den gesetzlichen Bestimmungen ab. Der Antragsteller nimmt den Antrag auf sofortige Vollziehbarkeit des  Planfeststellungsbeschlusses zurück, um eine gerichtliche Überprüfung im  Hauptsacheverfahren zu ermöglichen.“

1999

  • Obwohl sowohl der GRÜNE Bundesumweltminister Trittin, wie auch der niedersächsische Umweltminister Jüttner beteuern, sie seien beide gegen KONRAD, entwickelt sich zwischen beiden ein mediales Schwarzer-Peter-Spiel, über die Verantwortung für den Stopp des Projektes. Die Region reagiert verärgert und verbindet mit einem Gewitter in Salzgitter am 10. Oktober die Forderung das Projekt durch ein gemeinsames politisches Vorgehen von Bund und Land zu stoppen.

1998

  • Der neue Niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner plant ursprünglich, das KONRAD-Verfahren noch vor der Bundestagswahl abzuschließen. Er entscheidet sich dann jedoch kurzfristig, das Verfahren im Mai, auf dem Hintergrund des sog. Castor - Skandals auszusetzen. Die großen Erwartungen, die aus der Region an eine SPD/GRÜNE Bundesregierung geknüpft werden, erhalten jedoch bereits mit dem Koalitionsvertrag, in dem KONRAD nicht einmal erwähnt wird, einen Dämpfer.

1997

  • Die niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn zieht angesichts der Änderungen im Atommüllaufkommen und dem Wildwuchs an Lagerkapazitäten in Zweifel, dass der KONRAD-Plan gerechtfertigt ist. Sie fordert den Bund auf, ein belastbares Entsorgungskonzept vorzulegen. BMU Merkel weist daraufhin an, die Rechtfertigung des Planes zu unterstellen. Die daraufhin vom NMU für den Dezember geplante Übergabe eines Entwurfes für den Planfeststellungsbescheid scheitert am Fehlen eines nachgeordneten administrativen Details.

1994

  • Mit einem eigenen Genehmigungsentwurf versucht Bundesumweltminister Töpfer das Verfahren zu beschleunigen. Dagegen demonstrieren am 3.12.94 rund 1500 Menschen am Schacht. Nach der Bundestagswahl 1994 wird Angela Merkel Umweltministerin, die zwar weiterhin eine zügige Genehmigung fordert, den Plan einer Genehmigung durch den Bund aber nicht weiter verfolgt.

1993

  • Mit dem Erörterungstermin endet die Öffentlichkeitsbeteiligung und das Verfahren verschwindet für lange Zeit aus der öffentlichen Wahrnehmung. Die Niedersächsische Genehmigungsbehörde erstellt einen Katalog von 300 Sach- und 100 Rechtsfragen, die nach dem Erörterungstermin offen sind.

1992 / 93

  • Erstmals bietet eine Genehmigungsbehörde Modalitäten für die Erörterung, die auch die EinwenderInnen akzeptieren. Neben annehmbaren arbeitnehmerInnenfreundlichen Verhandlungszeiten, Tagen für bestimmte Bevölkerungsgruppen, usw., erhält die EinwenderInnenseite einen eigenen Apparat und Mittel für Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Auf dieser Basis lässt sich die EinwenderInnenseite darauf ein, alle Kritikpunkte ausführlich zu erörtern, was zu einem 5monatigen Verhandlungsmarathon mit insgesamt 75 Verhandlungstagen führt. 14 Tage nach Beginn des Erörterungstermins findet mit 7.000 TeilnehmerInnen eine der größeren Demonstrationen gegen KONRAD statt. Noch während des Termins wird im Dezember 1992 bekannt, dass SPD und Energiewirtschaft die Initiative für Konsensgespräche auf den Weg gebracht haben. Dabei wird stets von einer Genehmigung von KONRAD ausgegangen. Die erste Konsensrunde verläuft 1993 ergebnislos.

1991

  • Der Bund erzwingt per Weisung die Auslegung der Planunterlagen. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, dass das Land der Weisung Folge zu leisten habe, unabhängig davon, ob die Weisung inhaltlich rechtmäßig sei. Bundesweit werden 289.387 Einwendungen erhoben, die mit einem Treckerkorso am 13. Juli nach Hannover gebracht und der Niedersächsischen Umweltministerin Monika Griefahn übergeben werden.

1990

  • Durch nachhaltige Präsenz bei den Koalitionsgesprächen zwischen SPD und GRÜNEN, sorgen Gruppen aus der Region dafür, dass KONRAD bei den Gesprächen nicht ausgeklammert wird. Die neue Landesregierung kommt daraufhin im Sommer zu der Erkenntnis, dass die inzwischen gesetzlich notwendige Prüfung der Umweltverträglichkeit im Verfahren fehlt und noch weitere Fragen zu klären sind.

1989

  • Die bereits angekündigte Auslegung der Planunterlagen wird von der CDU - Landesregierung kurzfristig gestoppt. Sie verweist auf Veränderungen, die sich aus der Aufgabe der Wiederaufarbeitung in Deutschland ergeben. Gleichzeitig versucht die Landesregierung, mit dem Bund Kompensationsleistungen für die Fortsetzung des Verfahrens auszuhandeln.

1987/88

  • Intensive Diskussion und kritische Positionierung in Kirche, Gewerkschaften und Kommunen; Gründung der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. am 19.08.1987. Der Bund kauft die Schachtanlage für 84 Mio. DM und entscheidet sich für Salzgitter als Standort des neuen Bundesamtes für Strahlenschutz.

1985/86

  • Grundlegende Erweiterung des Planantrages. Kriterium für die Endlagerung soll nicht mehr die Dosisleistung sein ("schwach- und mittelaktiv"), sondern die Wärme. Das umgebende Wirtsgestein soll um nicht mehr als 3 Grad erwärmt werden. Damit könnten 95% des Volumens radioaktiver Abfälle in der BRD in KONRAD eingelagert werden.

1984

  • Seismologisches Messprogramm, Tiefbohrung (1150m).

1982 Einleitung des Planfeststellungsverfahrens

  • Obwohl die Physikalisch-Technische Bundesanstalt als damals zuständige Fachbehörde große Bedenken gegen Art und Umfang der Erkundungsuntersuchungen hat, stellt sie am 31.8.1982 den Antrag auf Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens. Die Bürgerinitiativen reagieren mit einer langfristig vorbereiteten, bundesweit unterstützten Demonstration am 30. Oktober 1982 mit ca. 10.000 TeilnehmerInnen. In deren Verlauf kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen am Schacht. Presse: "Die Schlacht am Schacht". Erstmals zieht die Stadt Salzgitter unabhängige Gutachter zu Rate. In den folgenden Jahren folgen andere Kommunen diesem Beispiel oder beteiligen sich an Gutachten der Stadt Salzgitter.

1976 - 1982     Erkundung                  

  • Untersuchung der Grube Schacht KONRAD auf ihre Eignung als Endlager für schwachaktive Abfälle und Großkomponenten aus dem Abriss von Atomkraftwerken unter Leitung der bundeseigenen Gesellschaft für Strahlenschutz.
  • Gründung des Arbeitskreis gegen Atomenergie Salzgitter (Oktober 1976) und des Umweltschutzforums Schacht Konrad Salzgitter (Mai 1980). 1981 erste Demonstration gegen das geplante Endlager mit ca. 1500 TeilnehmerInnen.
  • Noch während der Erkundungsarbeiten taucht KONRAD in Teilerrichtungsgenehmigungen von Atomanlagen als Teil des Entsorgungsnachweises auf , 1982 im Entsorgungsbericht der Bundesregierung.
  • Die Stadt Salzgitter lässt sich vom Batelle-Institut beraten (Mitglied des Deutschen Atomforums). Eine unabhängige Beratung, wie sie u.a. vom Landvolk gefordert wird, lehnt sie ab. 

1965 - 1976     Bergbau

  • Der Eisenerzabbau steht von Beginn an unter hohem Kosten- und Rationalisierungsdruck und wird im Oktober 1976 nach nur 10 ½ Betriebsjahren wieder eingestellt. Der Betriebsrat schlägt vor, das Bergwerk für andere Aufgaben zu nutzen, z.B. die Lagerung von Problemabfällen.

1957 - 1965     Errichtung

  • Abteufung und Errichtung des Erzbergwerkes Schacht KONRAD, bis zum Beginn des Eisenerzabbaus im April 1965. 

1933     Entdeckung

  • Zufällige Entdeckung des Erzlagers bei Erdölbohrungen. Das Vorkommen liegt auf der südlichen Spitze des "Gifhorner Troges", der sich in der Tiefe 60km lang erstreckt.